Als Dienst an der Allgemeinheit präsentiere ich heute:
eine weitere belanglose Beobachtung aus ‘der Welt’(tm)(r)!
Zug.
Nach dem ersten Schienenfahrzeug mit so vielen “Mitreisenden”, wie derselbe Plätze hatte (minus 1 – für mich) – interessanterweise lag auch das geschätzte Durchschnittsalter der ebenso geschätzten Zuggäste in ähnlichen Zahlenbereichen – ging es in einer deutschen Großstadt zur erfolgreichen Jagd auf den Anschluss.
Ich habe vorausschauenderweise einen Platz reserviert (Weihnachtsverkehr und so…) und komme zu “meinem” Platz. Am Fenster. Mit Tisch. Auf dem von mir reservierten Sitz liegt eine Tasche, auf dem Tisch vor dem Sitz daneben ein halbausgefülltes Kreuzworträtsel mitsamt Kugelschreiber.
Die eifrig-Kulturinteressierten am Tisch gegenüber behaupten, die Tasche gehöre ihnen nicht. Ich glaube ihnen vorerst und lasse mich auf dem Sitz gegenüber des scheinbar herrenlosen Gepäckstücks nieder.
Ca. 5 Minuten nach Abfahrt, kommt er wieder.
Rotes Polohemd, eine Mütze mit dem Logo der M-Division einer bayrischen Motorenschmiede, feinste 80er-Jahre Leder-Loafers mit schwarzen und braunen Fransen desselben Materials.
Sehr fleischige hände, die fast nicht zum rest des Körpers zu gehören scheinen, nicht zuletzt durch ihre auffällig rötliche Färbung. Während rechts nichts weiter auffällig ist, findet man von der linken Schulter abwärts:
- ein Tribal-Tattoo (man konnte das untere ende noch unter den hochgekrempelten Ärmeln erkennen.)
- mehrere für mich kaum zu deutende, aber dafür umso “verwaschenere” Knast-Tattoos
- ein Silberkettchen
- und als krönender Abschluss auf den Knöcheln der Hand:
L O V E
B A B Y
Wider (schwerst vorurteilbelasteten) Erwarten, war der Mann außerordentlich freundlich, lächelte um sich, andere Fahrgäste an und schien überhaupt ein recht unterhaltsamer Zeitgenosse zu sein.
Nur der Geruch.
Süßlich-Ekelhaft.
Auch die Tatsache, dass mein Freund um 13:00 die erste Flasche Bier öffnete, fand ich auf Grund von so einigen Zugreisen bei weitem nicht mehr schockierend.
Etwas gewöhnungsbedürftiger war dann das Hervorholen von einem Paar Socken; entfalten, wieder zusammen stopfen.
Als er dann aber, ca eine Stunde bevor ich den zug verlassen habe, anfing Sonnenblumenkerne zu verzehren, wünschte ich mir, ich hätte mich doch woanders hingesetzt.
Aus einer Tüte grabschte er eine gute Hand voll Sonnenblumenkerne und legte sie auf eine Ausgabe der MOBIL. Von dort ging der Weg dann ca. alle 10 Sekunden mit Mickey-Rourkesken Fingernägeln – in sehr dreckig – an den Mund, wo einige Zeit darauf herum gemümmelt wurde.
Die Schalen drappierte er dann stilgerecht auf einer laminierten Ausgabe des ICE-BordBistro-Menüs (2011 mit Kreationen von Alfons Schuhbeck) auf dem Tisch.
So ein bisschen assi muss also scheinbar sein.
Um zum Punkt zu kommen:
es gibt keinen.
Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und bis zum nächsten mal. Wannauchimmer das sein wird.
me!
April 17, 2011 um 10:25 AM
kenne diese erfahrungen auch zu genüge von meinen fahrten zur fos. unglaublich was sich nicht alles in zügen findet. naja is im straßenverkehr nich anders aber das is dann immer ne ordentliche schicht glaß und metall dazwischen… wann gibts wie was neues… irgendwie sind wohl über neujahr alle blogs gestorben :(